01 / Entscheidung
Zusatzwärme und Hauptheizung getrennt beurteilen
Ein kurz genutzter Arbeitsplatz oder ein Bad mit zeitlich begrenztem Zusatzbedarf ist ein anderes Projekt als eine ganzjährig bewohnte Wohnung. Definieren Sie zuerst Räume, gewünschte Temperatur und Nutzungszeiten. Für die Hauptheizung braucht es eine Heizlastberechnung und eine belastbare Jahresverbrauchsprognose. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz ordnet Stromdirektheizungen ein: Sie gewinnen im Gegensatz zu Wärmepumpen keine zusätzliche Umweltwärme.
Angenehme Strahlungswärme kann eine gezielte Nutzung ermöglichen. Eine pauschale Energieersparnis für jedes Gebäude lässt sich daraus nicht ableiten. Das gilt auch für Werbeangaben zu keramischen, Carbon- oder Spiegelpanels.
02 / Projektpreis
Gerät, Regelung und Elektroinstallation addieren
Aktuelle geprüfte Primärdaten für eine bundesweite Komplettpreisspanne liegen hier nicht vor. Ermitteln Sie Gerätepreis je Modell, Thermostat, Befestigung und Elektroarbeiten getrennt. Für mehrere Panels muss der Elektrobetrieb die gleichzeitig benötigte Leistung, vorhandene Stromkreise und mögliche neue Leitungen prüfen. Ein Steckdosenanschluss für ein einzelnes Gerät ist kein Installationsplan für das ganze Haus.
Angenommenes Kleinprojekt: Ein Panel kostet 450 €, die passende Regelung 100 € und Montage sowie ein vorhandener geeigneter Anschluss 250 €. Das ergibt 800 € brutto. Braucht der Raum einen neuen Stromkreis, ist dieser zusätzlich anzubieten. Alle drei Preise sind Rechenannahmen und keine Marktpreisermittlung.
Im Badezimmer müssen Gerät, Montageort und Anschluss für den vorgesehenen Bereich geeignet sein. Lassen Sie Abstände, zulässige Montageart und elektrische Schutzmaßnahmen nach Herstellerangaben und örtlicher Installation prüfen.
03 / Rechnung
Kilowatt mal Stunden mal Strompreis
Für ein Panel lautet die einfache Rechnung: Leistung in kW × tatsächliche Einschaltstunden × Arbeitspreis. Ein angenommenes 600-Watt-Panel mit 400 Stunden Volllast im Jahr verbraucht 240 kWh. Bei angenommenen 0,30 €/kWh kostet das 72 €. Bei 1.800 Stunden wären es 1.080 kWh und 324 €. Die Zeitschaltspanne ist nicht automatisch die tatsächliche Laufzeit des Thermostats.
Für ein ganzes Haus rechnen Sie besser vom Wärmebedarf aus: Bei angenommenen 15.000 kWh nutzbarer Raumwärme benötigt Direktheizung ungefähr 15.000 kWh Strom; mit 0,30 €/kWh wären das 4.500 € reine Verbrauchskosten. Eine Wärmepumpe mit angenommener Jahresarbeitszahl 3,5 benötigt für dieselbe Wärme rund 4.286 kWh beziehungsweise 1.286 €. Warmwasser, Grundpreise und Investitionen sind in diesem Vergleich nicht enthalten.
Die beiden Szenarien zeigen Größenordnungen bei denselben Wärmeannahmen. Sie ersetzen weder eine Auslegung noch eine Messung. Für eine kurz genutzte einzelne Zone darf der gesamte jährliche Hauswärmebedarf nicht angesetzt werden.
04 / Eigenstrom
PV macht die Winterheizung nicht kostenlos
Im Winter fallen hoher Wärmebedarf und schwache Solarerzeugung zusammen. Eine ausreichende Jahresstrommenge auf dem Dach beweist daher keine Versorgung der Heizung an kalten Abenden. Ein Batteriespeicher verschiebt Stunden; er speichert keinen Sommerertrag über Monate.
Verlangen Sie eine Monats- oder Stundenrechnung für den gleichzeitig nutzbaren PV-Strom. Eigenstrom hat zudem einen wirtschaftlichen Wert: Er hätte andere Verbraucher versorgen oder vergütet eingespeist werden können. Die Behauptung „mit PV 60–70 Prozent günstiger“ ist ohne Verbrauchsprofil, Ertrag und Alternativnutzung unbelegt.
05 / Betrieb
Ein günstiger Heizstromtarif ist nicht selbstverständlich
Die Verbraucherzentrale NRW warnt vor ungeeigneten Tarifen und Sperrzeiten. Ermitteln Sie am eigenen Netzanschluss, welcher Tarif für das Gerät tatsächlich angeboten wird. Ein zusätzlicher Zähler kann feste Kosten verursachen. Rechnen Sie mit einem verfügbaren Tarif einschließlich Grundpreis, nicht mit einem beworbenen Wärmepumpentarif, den Sie für die Direktheizung nicht beziehen können.
Fordern Sie im Angebot Heizlast je Raum, Panelleistung, Position, Regelstrategie, Installationsumfang und Prognose der Einschaltstunden. Bei Ganzhausprojekten sollten Warmwasser und Elektroanschlussleistung ausdrücklich mit betrachtet werden.
06 / Nächster Schritt
Drei Angaben vor der Bestellung
- Nutzen Sie die Fläche wenige Stunden oder als dauerhafte Hauptheizung?
- Wie viel Wärme benötigt genau dieser Raum oder das Gebäude?
- Was kostet der erforderliche Strom mit Ihrem verfügbaren Tarif?
Für die dauerhafte Versorgung vergleichen Sie mindestens die vollständigen Jahreskosten eines geeigneten Wärmepumpensystems und der Direktheizung. Ein Zuschuss für klimafreundliche Heizungen ist kein allgemeiner Kaufzuschuss für Infrarotpanels.
Häufige Fragen
Ist ein Infrarotpanel effizienter als ein elektrischer Heizlüfter?
Beide erzeugen aus Strom direkt Wärme. Die Art der Wärmeabgabe und die gezielte Nutzung unterscheiden sich; eine garantierte pauschale Verbrauchsersparnis folgt daraus nicht.
Ist Infrarot für ein ganzes Altbauhaus günstig?
Das lässt sich aus dem Gerätepreis nicht beurteilen. Bei hohem jährlichem Wärmebedarf können die Stromkosten erheblich sein. Lassen Sie den Jahresverbrauch und geeignete Alternativen berechnen.
Kann ein vorhandener PV-Speicher die Heizung nachts versorgen?
Teilweise, wenn tagsüber ausreichend Überschuss geladen wurde und Leistung sowie Kapazität ausreichen. Gerade im Winter ist das nicht durch eine Jahresbilanz garantiert.
Quellen und Einordnung
Am 26. September 2026 fachlich überarbeitet. Die verlinkten Originalquellen stützen die jeweils genannten Angaben; ältere Preisstände sind ausdrücklich gekennzeichnet. Eigene Rechenbeispiele dienen dem Angebotsvergleich und sind keine Marktpreisermittlung oder Einsparzusage.
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