Nordrhein-Westfalen
Bad Salzuflen
Bad Salzuflen ist Heilbad im Kreis Lippe — den Titel Bad führt die Stadt seit 1914, die Gradierwerke prägen das Stadtbild seit Jahrhunderten und gehörten um 1716 zur Saline, in der aus der Sole Salz gewonnen wurde. Der Bestand hat zwei Seiten: eine Fachwerkaltstadt mit Bauten der Renaissance, die ältesten aus dem 16. Jahrhundert, und darum herum Kurhäuser, Pensionen, Klinikbauten und Wohngebiete der Nachkriegsjahrzehnte bis heute. Diese Mischung hat eine Folge, die man nicht sieht, aber hört: In einem Kurgebiet gelten die strengsten Lärmwerte, die das deutsche Immissionsschutzrecht kennt.
Baden-Württemberg
Balingen
Balingens Innenstadt ist eine Planstadt, und sie hat ein genaues Geburtsdatum: Am 30. Juni und 1. Juli 1809 zerstörte ein Stadtbrand nach einem Blitzschlag 335 der 390 Gebäude innerhalb der Stadtmauer; von etwa 2.400 Einwohnern wurden 1.900 obdachlos. Bis 1815 wurde die Stadt neu aufgebaut, klassizistisch geordnet, mit der Friedrichstraße als Hauptachse und einem Marktplatz samt umliegenden Straßen im Quadratstil. Es war nicht der erste Brand — 1546, 1607, 1672 und 1724 hatte es ebenfalls gebrannt, und 1809 milderte die württembergische Brandversicherung die Folgen. Um diesen Kern liegen Gründerzeit, Wohnungsbau der Nachkriegsjahrzehnte und die Dorfkerne der Teilorte.
Bayern
Bamberg
Bamberg hat einen Altbaubestand, den es in dieser Dichte in Deutschland kaum ein zweites Mal gibt — die Stadt ist im Krieg weitgehend verschont geblieben, und entsprechend viele Gebäude tragen noch ihre ursprüngliche Konstruktion. Am deutlichsten wird das über den Köpfen: In vielen Häusern steht ein Dachstuhl, der zwei-, drei- oder vierhundert Jahre alt ist, gefügt mit Zapfen, Blättern und Überblattungen, oft aus Eiche und ganz ohne Metall. Diese Konstruktionen sind kein Provisorium, das man irgendwann ersetzt, sondern ein Tragwerk, das genau so funktioniert, wie es gedacht war — die Verbindungen verteilen die Lasten und lassen dem Holz Bewegungsspielraum, statt es starr festzuhalten. Für Eigentümer heißt das, dass eine Dacharbeit in Bamberg oft eine Zimmererarbeit ist: Nicht Austausch ist die erste Antwort, sondern Instandsetzung, und die verlangt jemanden, der die alten Verbindungen lesen kann.
Sachsen
Bautzen
Bautzen ist die historische Hauptstadt der Oberlausitz, und ihre Altstadt steht auf steilen Granitfelsen über der Spree — daher die Silhouette mit ihren Türmen, von denen heute noch siebzehn stehen, dazu Reste der Stadtbefestigung und barocke Fassaden. In der Stadt selbst ist der Bestand massiv gebaut, auf und aus dem Fels. Im Umland beginnt dagegen eine Bauweise, die es in dieser Form nur hier gibt: das Umgebindehaus, bei dem ein hölzernes Stützensystem die Last von Dach und Obergeschoss um eine Blockstube herumführt. Dazu kommen Gründerzeit, Wohnungsbau der DDR-Jahrzehnte und Neubaugebiete am Rand.
Bayern
Bayreuth
Bayreuth ist als Barockstadt der Markgrafenzeit angelegt, und dafür steht ein Material: Sandstein in französisch anmutenden, klassizierenden Formen. Das Markgräfliche Opernhaus, dessen Sandsteinfassade den Platz davor bestimmt, steht seit 2012 auf der Welterbeliste der UNESCO. Für Eigentümer im geschützten Bestand folgt daraus eine Frage, die die gesamte energetische Sanierung bestimmt: Was darf verändert werden — die Substanz oder das Erscheinungsbild? Das Gebäudemodernisierungsgesetz nimmt darauf ausdrücklich Rücksicht. Nach § 105 GModG darf von den Anforderungen des Gesetzes abgewichen werden, soweit bei einem Baudenkmal, bei besonders geschützter oder bei sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz die Erfüllung dieser Anforderungen die Substanz oder das Erscheinungsbild beeinträchtigt oder andere Maßnahmen zu einem unverhältnismäßig hohen Aufwand führen. Praktisch heißt das bei einer Sandsteinfassade fast immer: außen bleibt sie, wie sie ist — und gedämmt wird, wenn überhaupt, von innen.
Nordrhein-Westfalen
Bergheim
Bergheim liegt an der Erft im Rhein-Erft-Kreis, mit einem historischen Kern in Bergheim-Mitte, dörflich geprägten Ortsteilen und großen Einfamilienhausgebieten der Nachkriegsjahrzehnte. Eine Besonderheit prägt hier viele Bauvorhaben: Die Stadt hat örtliche Bauvorschriften erlassen, und in deren Geltungsbereich sind Dachform, Materialien und Farben nicht frei wählbar — auch ohne Denkmalschutz.
Nordrhein-Westfalen
Bergisch Gladbach
Bergisch Gladbach ist eine Stadt am Rand einer Großstadt, und das prägt den Bestand: Neben den gewachsenen Ortskernen und dem Erbe der Papierindustrie bestehen große Teile aus Einfamilien- und Reihenhausgebieten, die in den Jahrzehnten nach dem Krieg entstanden sind, oft am Hang und mit Gärten, die an Wald oder Feld grenzen. Für Eigentümer bringt diese Lage einen Punkt mit sich, über den bei einer Renovierung selten gesprochen wird und der sich hinterher schlecht nachholen lässt: den Einbruchschutz. Ein freistehendes Haus mit Terrassentür zum Garten, mit Kellerfenstern hinter Hecken und mit einer Rückseite, die von der Straße nicht einsehbar ist, hat mehr Schwachstellen als eine Wohnung im dritten Obergeschoss — und die entscheidenden davon sitzen in Bauteilen, die man ohnehin irgendwann erneuert. Wer Fenster, Haustür oder Terrassentür tauscht, entscheidet in diesem Moment über Jahrzehnte, und der Aufpreis für eine gesicherte Ausführung ist ein Bruchteil dessen, was eine Nachrüstung später kostet. Daneben gelten im Bestand die üblichen Themen der jeweiligen Bauzeit.
Berlin
Berlin
In Berlin treffen innerstädtische Vorderhäuser, Seitenflügel und Hinterhäuser auf Nachkriegsbauten und große Wohnanlagen, etwa in Marzahn und Hellersdorf. Für den Umbau zählt der konkrete Gebäudetyp: Eine Holzbalkendecke braucht andere Aufbauten als eine Betonplatte; ein Hinterhaus andere Transportwege als ein frei stehendes Haus. Vor Änderungen an historischer Substanz hilft die Berliner Denkmalkarte bei der ersten Prüfung. Bauakten und Bestandsaufnahme bleiben für das einzelne Objekt entscheidend.
Nordrhein-Westfalen
Bielefeld
Die Lage am Teutoburger Wald führt in Bielefeld zu unterschiedlichen Grundstückssituationen. An Hängen, etwa in Gadderbaum oder am Johannisberg, spielen Höhenunterschiede und Wasserwege eine Rolle; andere Quartiere haben ebenere Zugänge. Bei Arbeiten an Haus und Garten sollten neue Beläge, Leitungen und Entwässerung zusammen geplant werden. Die städtischen Starkregen- und Planungshinweiskarten geben dafür erste Hinweise, ersetzen jedoch keine Aufnahme von Boden und Gefälle am Grundstück.
Nordrhein-Westfalen
Bocholt
Bocholt liegt im westlichen Münsterland an der Bocholter Aa, dicht an der niederländischen Grenze, und sein Baubestand hat ein Datum: den 22. März 1945. An diesem Tag zerstörte ein Luftangriff in fünfundzwanzig Minuten 85 Prozent der Stadt; 341 Menschen kamen ums Leben. Was heute in der Innenstadt und in den angrenzenden Vierteln steht, stammt deshalb überwiegend aus dem Wiederaufbau der Nachkriegsjahrzehnte — Backstein, einfache Grundrisse, sparsame Wandaufbauten. Für Eigentümer heißt das praktisch: In diesen Häusern sind die Fenster inzwischen einmal, oft zweimal getauscht worden, und genau dort sitzt das Bauteil, das am häufigsten Schäden verursacht und am seltensten geprüft wird — nicht das Fenster selbst, sondern die Fuge zwischen Fenster und Wand. Sie ist schmal, sie ist unsichtbar, und sie entscheidet darüber, ob ein neues Fenster die Wohnung besser oder feuchter macht.
Nordrhein-Westfalen
Bochum
Bochums Bestand umfasst ältere Siedlungen und Mehrfamilienhäuser sowie Häuser in den Hanglagen zum Ruhrtal. Für ein konkretes Vorhaben sollten Zustand, frühere Umbauten und nutzbare Baustellenflächen dokumentiert werden. Risse werden untersucht, bevor sie überarbeitet werden; eine Ursache lässt sich aus dem Ort oder der Bergbaugeschichte allein nicht ableiten. Das städtische Bauportal bündelt Grundstücks- und Planungshinweise, mit denen offene Fragen zu Umbau und Erdarbeiten vorbereitet werden können.
Nordrhein-Westfalen
Bonn
In Bonn liegen ältere Wohnquartiere und Villen neben Bauten der Nachkriegsjahrzehnte und jüngeren Häusern. Für historische Bausubstanz kann neben dem Einzeldenkmalschutz eine Erhaltungs- oder Denkmalbereichssatzung relevant sein. Die Innere Südstadt hat eine Erhaltungssatzung mit einem festgelegten Geltungsbereich. Vor Änderungen an sichtbaren Bauteilen sollte der konkrete Schutzumfang geklärt werden. Steuerliche Begünstigungen folgen nicht allein aus der Lage in einem historischen Viertel.
Nordrhein-Westfalen
Bottrop
Bottrop hat zehn Jahre lang ausprobiert, was passiert, wenn man einen ganzen Stadtteil systematisch saniert — und die Ergebnisse sind für Eigentümer aufschlussreicher als jede Werbebroschüre. Zwischen 2010 und 2020 war die Stadt InnovationCity Ruhr Modellstadt, mit einem Pilotgebiet von rund 70.000 Einwohnern. In dieser Zeit wurden dort 3.657 Wohngebäude modernisiert, etwa 36 Prozent des Bestands, und die jährliche energetische Modernisierungsrate lag bei 3,3 Prozent — ein Vielfaches dessen, was bundesweit üblich ist. Der CO2-Ausstoß im Pilotgebiet wurde halbiert. Bemerkenswert ist dabei weniger die Technik als der Hebel: 2,7 Millionen Euro an Modernisierungszuschüssen lösten Investitionen von über 20 Millionen Euro aus. Was dahintersteckt, ist keine Erfindung, sondern eine Erkenntnis, die jeder Eigentümer nutzen kann — es kommt weniger darauf an, welche Maßnahme man wählt, als in welcher Reihenfolge man vorgeht und ob man vorher weiß, wohin man will. Beim Gebäudebestand prägen Siedlungen der Bergbauzeit, Wohnungsbau der Nachkriegsjahrzehnte und Einfamilienhausgebiete das Bild.
Brandenburg
Brandenburg an der Havel
Die Stadt hat drei historische Kerne — Dominsel, Altstadt und Neustadt —, die bis 1715 getrennte Städte waren und alle zwischen Havelarmen und Seen liegen. Der Bestand ist überwiegend Ziegelbau: mittelalterliches Mauerwerk in den Kernen, Gründerzeithäuser an den Rändern, dazu Plattenbau der DDR-Jahre. Häufig geht es um Feuchte im unteren Meter der Wände, um Ziegelfassaden und um Bäder in Häusern, die ohne waagerechte Sperrschicht gebaut wurden.
Niedersachsen
Braunschweig
Braunschweig war nach dem Krieg zu rund 90 Prozent zerstört, und der Wiederaufbau folgte einer Idee, die es so kaum ein zweites Mal gibt: dem Konzept der Traditionsinseln. Statt die ganze Altstadt zu rekonstruieren, wurden fünf Ensembles um fünf Stadtkirchen herum gezielt historisch wiederaufgebaut — Aegidienviertel, Altstadtmarkt, Burgplatz, Magniviertel und Michaelisviertel. Um sie herum entstand Wiederaufbau der fünfziger Jahre. Für Eigentümer in diesen Inseln folgt daraus eine Besonderheit, die man kennen muss: Um Kriegslücken zu schließen, wurden Fachwerkhäuser an ihrem ursprünglichen Standort abgebaut und hier wieder aufgebaut. Ein Haus im Magniviertel steht deshalb nicht zwingend auf seinem historischen Fundament, und was aussieht wie ein einziges altes Gebäude, kann aus Originalsubstanz, Rekonstruktion und versetztem Bestand zusammengesetzt sein. Von den rund 2.000 Fachwerkhäusern, die Braunschweig um 1900 hatte, blieben in der Innenstadt etwa 120 erhalten.
Freie Hansestadt Bremen
Bremen
Bei Bremer Reihenhäusern mit Hochparterre und Souterrain beeinflussen Treppen, schmale Grundrisse und tiefe Eingänge die Sanierung. Vor einem Ausbau im unteren Geschoss sollten Feuchtebefund, Wasserwege und geplante Nutzung zusammen betrachtet werden. Jüngere Wohnanlagen und freistehende Häuser bringen andere Aufbauten mit; die Gründung lässt sich nicht aus dem Stadtnamen ableiten. Das Bremer Starkregenvorsorgeportal bietet eine erste Einschätzung und ergänzt den Ortstermin.
Baden-Württemberg
Bruchsal
Bruchsal liegt am Westrand des Kraichgaus, dort wo das Hügelland in die Rheinebene übergeht, und hat zwei Gesichter. Das eine ist die Kernstadt: Beim Luftangriff am 1. März 1945 wurden über 80 Prozent der Stadt zerstört, das Barockschloss brannte aus — nur die Substanz des Treppenhauses überstand die Zerstörung weitgehend —, und der Wiederaufbau zog sich über Jahrzehnte bis zur Wiederherstellung der Bel Étage im Jahr 2017. Das andere sind die fünf Stadtteile Büchenau, Heidelsheim, Helmsheim, Obergrombach und Untergrombach, die 1972 eingemeindet wurden und ihren ländlichen Charakter bewahrt haben. Um sie herum liegen Obst, Wein und Ackerbau auf den fruchtbaren Böden des Kraichgaus — und damit Hofstellen, deren Gebäude nicht mehr gebraucht werden.